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  Dezember 2009

Bulk Solids India 2010: Wissen entscheidet – Qualitätstechnik als Schlüssel zu Indiens Zukunft

  • Vijay K. Agarwal, Indian Institute of Technology (IIT), Delhi, Chairman des Conference Board
  • David Mills, unabhängiger Berater für pneumatische Förderanlagen, Mitglied des Conference Board

Die vom 2.-3. März 2010 stattfindende BulkSolids India will sich zu einer Plattform für den Austausch von Technologiewissen und Networking entwickeln – beides unabdingbare Voraussetzungen für das nachhaltige Wachstum der indischen Wirtschaft. Vijay Agarwal, Conference Chairman, und David Mills, Mitglied des Conference Board, erklären im folgenden Interview Eigenheiten und Besonderheiten der indischen Wirtschaft.

Veranstalter von BulkSolids India: Herr Agarwal, Herr Mills, seit der von der indischen Regierung im Jahr 1991 angestoßenen wirtschaftlichen Liberalisierung hat sich viel verbessert. Wo sehen Sie die maßgeblichsten Veränderungen und worin bestehen die Herausforderungen für die kommenden Jahre, denen sich die indische Regierung gegenübergestellt sieht?  
Agarwal: Zu den zwei wichtigsten Veränderungen, die nach der Liberalisierung beobachtet werden konnten, zählt zunächst die Entwicklung einer sehr goßen und wachsenden Mittelschicht, die über finanzielle Mittel und Kaufkraft verfügt. Und zweitens macht sich ein zunehmendes Konsumdenken bemerkbar sowie eine Verlagerung hin zu Qualitätsprodukten und weg von Niedrigpreisprodukten. Es bestehen jedoch noch eine ganze Reihe von Herausforderungen, die angegangen werden müssen. Im internationalen Vergleich muss sich die Produktivität im landwirtschaftlichen Sektor verbessern. Dasselbe gilt für die Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten in der verarbeitenden Industrie. Darüber hinaus ist der Ausbau der Infrastruktur von zentraler Bedeutung für ein nachhaltiges Wachstum, aber auch die Ausbildung und das Gesundheitswesen der indischen Bevölkerung – Bereiche, in denen noch eine Reihe von Problemen gelöst werden müssen.  
 
Mills: Indien hat Erstaunliches geleistet, um dorthin zu gelangen, wo es heute steht. Als eine der Hauptantriebsfedern ist hier die englische Sprache als wichtigste Sprache für Kommunikation und Ausbildung zu nennen. Der Ausbildungsbereich ist der Schlüsselfaktor. Dahinter steht die Förderung von Kindern durch ihre Eltern: die Kinder sollen es einmal besser haben und in den besten Universitäten studieren. Diese Antriebskraft wird weiterhin bestehen. Nach wie vor aber, wird die Herausforderung bleiben, Schritt zu halten mit der erforderlichen Errichtung von Kraftwerken, um ausreichend Elektrizität zur Verfügung zu stellen, was sich durch die weltweit bestehende Problematik rund um die Verbrennung von Kohlenstoffen noch zuspitzen wird, da Kohle einer der lokal vorherrschenden Bodenschätze ist. Sie verfügen auch über eine gut etablierte Atomindustrie, aber auch hier gibt es globalen politischen Druck. Bevölkerungswachstum zählt gleichfalls zu den großen Problemen und da Indien über eine demokratisch gewählte Regierung verfügt, sind Steuerungsmechanismen zum Bevölkerungswachstum, wie etwa die in China auferlegten, keine gangbare Option. Die Mechanisierung der Landwirtschaft und verbesserte Methoden der Nahrungsmittelproduktion erfüllen die aktuellen Erfordernisse, könnten aber ein größeres Problem in der Zukunft bedeuten. 
 
Trotz der Weltwirtschaftskrise ist Indien nach wie vor eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften – was zeichnet den indischen Markt aus und wo sehen Sie das größte Entwicklungspotenzial?  
Mills: Indien verfügt über sehr umfangreiche Bestände an Mineralien wie Eisenerz und Bauxit. Allein der indische Bundesstaat Orissa rangiert auf Platz fünf weltweit für Bauxitvorräte. Aufgrund der Tonerde gibt es eine entsprechend umfangreiche Aluminiumindustrie. Im landwirtschaftlichen Bereich ist Indien ein wichtiger Produzent von Zucker. Würde der Landwirtschaftssektor insgesamt optimiert, dann könnte das Land auch mit anderen Feldfrüchten eine vergleichbare Position einnehmen, da die Anbaubedingungen hier deutlich besser sind als in europäischen Breitengraden. 
Agarwal: Indien war natürlich auch von der Rezession betroffen, allerdings nicht schwerwiegend. Zurückzuführen ist das hauptsächlich auf das Vorhandensein eines großen Binnenmarktes und geringer Exportabhängigkeit, was sich in einem vergleichsweise kleinen Anteil der Exporte am Bruttosozialprodukt niederschlägt. Ein weiterer Faktor, der die Auswirkungen der Rezession gemildert hat, ist der, dass die Wirtschaft Indiens vornehmlich auf Bargeldbasis funktioniert und Konsumenten Kredite nur zu einem geringeren Teil in Anspruch nehmen. Kapitalflucht und in deren Folge der Aktiencrash hatten jedoch nachhaltige psychologische Auswirkungen, und andere Sektoren waren durchaus von den Kreditrestriktionen der Banken betroffen. Das wiederum ließ sich auf die psychologischen Ängste und Sorgen der Bürger zurückführen, wie etwa Sorgen um den Arbeitsplatz, was die Abwärtsspirale dann weiter beschleunigte. 
 
Ist Indien Ihrer Meinung nach einer der Zukunftsmärkte?  
Agarwal: Ja, mit einem hohen Bevölkerungsanteil unter 25 Jahren und dem Einkommenswachstum der Bevölkerung ist es definitiv ein Zukunftsmarkt.  
Mills: Indien muss ein Zukunftsmarkt sein, da es über ein so massives Wachstumspotenzial verfügt. Die Leute sind auch sehr daran interessiert mit anderen zu kooperieren, das scheint Teil ihrer Kultur zu sein. In den drei Jahrzehnten, in denen ich in Indien lehre und arbeite, bin ich unzählige Male von indischen Unternehmen nach Namen von potenziell interessierten Firmen in Europa und den USA gefragt worden, mit denen man zusammenarbeiten könnte, um so zu expandieren und größere Aufträge annehmen zu können. Viele europäische und US-amerikanische Unternehmen haben sich natürlich auch eigenständig hier niedergelassen, wie McDonalds und Pizza Hut, während andere, beispielsweise Coca Cola, bestehende indische Unternehmen übernommen und in ihre Konzerne integriert haben. Bei Technologiefirmen sieht es ähnlich aus. 
 
Der Aufruf zur Einreichung von Beiträgen zur BulkSolids India 2010 Konferenz traf auf ein besonders starkes Echo sowohl von indischen als auch von internationalen Referenten. Weshalb glauben Sie, wollen so viele Personen ihre Fachkenntnisse zu dieser Veranstaltung beitragen?  
Agarwal: Die Verarbeitung von Schüttgut ist eine weit verbreitete Anforderung in den meisten Bereichen der verarbeitenden Industrie. Die Agenda der Konferenz deckt ein breites Themenfeld zur Verarbeitung, dem Transport und der Lagerung von Schüttgut ab. Darüber hinaus gibt es sehr wenige Konferenzen in Indien, die diese Themen behandeln. Deshalb das bestehende Interesse für die BulkSolids India 2010. 
Mills: In Indien werden in den nächsten Jahren zahlreiche Großbauprojekte durchgeführt, die in Europa und den USA zahlenmäßig eher begrenzt sind. Indien hat deshalb vermehrten Bedarf an Austausch von Fachkenntnissen und Gelegenheiten, Netzwerke aufzubauen. Dies ist besonders der Fall, was den Einsatz von Schüttgut beim Bau von Kohlekraftwerken und Hafenanlagen betrifft. Indien verfügt über sehr lange Küstenstrecken – aufgrund der Größe und geografischen Beschaffenheit des Landes sind Häfen somit von zentraler Bedeutung für den Import und Export, aber auch für die inländische Distribution. Das indische Eisenbahnnetz, das noch aus der Zeit der Briten stammt, ist an die Grenzen seiner Kapazität gestoßen, und die indische Regierung hat erst jüngst mit einem nationalen Aufbauprogramm für das Straßennetz des Landes begonnen, sodass Häfen nach wie vor – und noch für geraume Zeit in der Zukunft – hohe Priorität genießen werden. 
 
Die Konferenz deckt ein breites Themenfeld ab, von Transport über Lagerung bis zur Verarbeitung von Trockenschüttgut. Wird das Programm Ihrer Meinung nach auf Interesse beim Publikum stoßen?  
Mills: Ja, zweifelsohne. Abgesehen vom Transport und der Distribution von wichtigem partikelförmigen Schüttgut sind die verarbeitenden Industrien u.a. der Lebensmittel-, chemischen und pharmazeutischen Branchen in den vergangenen Jahren stark gewachsen, und die Industrie muss sich mit Problemthemen wie Flugasche, Zement und Aluminiumoxid auseinandersetzen. Es gibt nur eine beschränkte Anzahl an Fachzeitschriften, die sich mit diesem Gebiet beschäftigen. Auch gibt es nur ein kleines Angebot an Weiterbildungsveranstaltungen wie Kurzlehrgänge. Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, wie Dr. Agarwal bei einem Kurzlehrgang über pneumatische Förderanlagen an seinem Indian Institute of Technology in Neu Delhi vierzig oder fünfzig Teilnehmer anlocken kann, wenn seine Mailingliste gerade einmal 250 Namen enthält. 
Agarwal: Die Bandbreite der Referate wird meiner Ansicht nach die Erwartungen der Teilnehmer an diese Veranstaltung erfüllen. Die begleitende Ausstellung mit ca. 40 Messeständen verhilft dieser Konferenz zu einem weiteren interessanten Aspekt – sie wird eine ideale Plattform für indische und internationale Unternehmen sein, ihre Produkte und Technologien einer erwartungsgemäß großen Teilnehmerschaft vorzustellen. 
Gibt es für ausländische Firmen, die in Indien gern Geschäfte machen würden, etwas Besonderes, das sie über die indische Geschäftskultur wissen sollten? 
Agarwal: Ausländische Firmen können sich großen kulturellen Unterschieden im Vergleich zu ihren eigenen Heimatländern gegenübergestellt sehen. Bisweilen gestalten sich behördliche Freigaben etwas lang, sobald diese aber einmal überwunden sind, sollte es keine großen Schwierigkeiten bei der Abwicklung mit potenziellen Kunden geben. 
 
Vielen Dank für Ihre Analysen und Ihre Zeit!  
 
Über BulkSolids India 2010  
Die erste BulkSolids India Conference & Exhibition findet vom 2. bis  
3. März 2010 im Nehru Centre in Mumbai, Indien, statt. Zu den Themenschwerpunkten zählen: Umschlagshäfen von Schüttgut, Bandförder¬anlagen, Lagerung, Verpackung, Simulation, pneumatische Förderanlagen, Energieeffizienz und Umweltaspekte. Auf der Messe präsentieren indische und internationale Unternehmen aus allen Industriebereichen, die mit der Verarbeitung von Schüttgut zu tun haben, auf nahezu 40 Ständen ihr Leistungsspektrum. Die BulkSolids India 2010 bietet mit ihrer Kombination aus Konferenz und Messeausstellung das richtige Kommunikationskonzept als  
B-to-B-Plattform für Entscheidungsträger aus den indischen Schüttgut verarbeitenden Industrien. 
 
Ansprechpartner für BulkSolids India Konferenz:  
Imke Ostermeier  
Vogel Business Media GmbH & Co. KG 
Tel + 49 (0) 9 31. 418 -23 13 
imke.ostermeier@vogel.de 
 
Ansprechpartner für internationale Aussteller  
auf der BulkSolids India:  
Meike Krüger  
Nürnberg Global Fairs GmbH  
Tel +49 (0) 9 11. 86 06-81 61 
meike.krueger@ngfmail.com  
 
 
Downloads:
 
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Sprachvarianten:
 
 English
 
Hinweis an die Redaktion:
Magdalena Beichel
Beate Sierl
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